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Arbeitspsychologische Werkstatt
Mag.a Christine Haiden

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Blog 20. August 2016

In der Arbeit mit Menschen Traumata begegnen –
Was gilt es zu beachten?


Als klinische Psychologin mit Erfahrungen als Mitarbeiterin im psychosozialen Akut-Team Niederösterreich richtet sich mein Blick auf Mitarbeiter_innen in beratenden Tätigkeiten, die (potenziell) traumatisierten Menschen begegnen und durch das von ihnen Erzählte/ Gehörte, in ihrem eigenen Erleben „angesteckt“ werden können.

„Indirekte Traumatisierung“ oder „Mitgefühlserschöpfung“ kann potenziell alle Menschen treffen, die traumatisierte Personen begleiten oder beraten. Insbesondere zu berücksichtigen sind auch Personen, an die vordergründig nicht gedacht wird, wie z. B. Sekretärinnen in einer Anwaltskanzlei, die über das Schreiben von Fallgeschichten Krisensituationen der Klient_innen miterleben.

Lesen Sie hier mehr zu einem wichtigen Thema in der Arbeitswelt von Helfer_innen und ihnen nahestehenden Berufen.

Was ist „indirekteTraumatisierung“?
„Indirekte Traumatisierung“ kann die (Aus)Wirkung des Traumas auf nicht unmittelbar betroffene Personen (Zeug_innen, Angehörige) bedeuten; sie kann aber auch die (Aus)Wirkung auf Helfer_innen bezeichnen.

Die „Mitgefühlserschöpfung“ betrifft die emotionale Erschöpfung die durch die Traumaarbeit bei Helfer_innen auftreten kann.

Die Auswirkungen der indirekten Traumatisierung ähneln der der direkten Traumatisierung der Betroffenen, nur sind sie geringer ausgeprägt. Die Symptome treten oft plötzlich und ohne direkte äußere Ursache auf.

Die Entstehung indirekter Traumatisierung ist ein komplexer Prozess und hängt von mehreren Faktoren ab (Figley, 2002 in Unterweger, 2005), wie dem empathischen Einfühlen, den eigenen Traumaerfahrungen, sowie nicht aufgelösten traumatischen Konflikten.

Nicht nur Einzelpersonen können durch die Begegnung mit Traumata erschöpft werden, sondern auch ganze Teams.

Hier einige Möglichkeiten der Prävention:
Begünstigt bzw. reduziert werden kann die indirekte Traumatisierung durch das organisatorische Arbeitsumfeld der Helfer_innen. Von Bedeutung sind regelmäßige (Team) Supervision, Intervision, Unterstützung im Team, sowie regelmäßige Weiterbildung. Die Einführung von Gruppennormen, die heilsam und hilfreich für das Team sind und eine unterstützende Zusammenarbeit ermöglichen.

Ebenso wichtig ist die Berücksichtigung des Wissens um Dynamiken und um die Entstehung von indirekter Traumatisierung/ Mitgefühlserschöpfung, sowie um Risiken und Nebenwirkungen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen in der Aus- und Weiterbildung. Dieses Wissen, gehört zu den Grundvoraussetzungen der Qualifikation, um die beruflichen Anforderungen langfristig zu bewältigen.

Auch die Entwicklung von Konzepten, für die Beratungsarbeit, die die Erkenntnisse der Traumaarbeit berücksichtigen, sind ebenso von Bedeutung, wie das Erarbeiten von günstigen/ unterstützenden Arbeitsgrundhaltungen.
Wichtig sind auch ausreichend Selbsterfahrung, das Wissen um die Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Arbeit, sowie Selbstfürsorge und ein Raum für Gefühle. 

Wirksame Maßnahmen können auf persönlicher und auf organisatorischer Ebene ansetzen.  Es gilt die geeigneten Maßnahmen für die jeweilige Arbeitsgruppe ausfindig zu machen.  

(Literatur: Unterweger, B. (2005) Traumaarbeit – (Neben)Wirkungen und Risiken für Therapeut_innen,; Huber, M. ) www.michaela-huber.com

Seminar-Informationen

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